Montag, 1. März 2021

Vielleicht hast du dich manchmal gefragt, ob ich hier bei mancher Zeile an dich dachte, als ich sie schrieb. Die folgenden sind es gewiss.

Weißt du, als du mich damals wiedersehen wolltest, nach unserem zackigen Auseinandergehen, da lehnte ich ab. Ich wusste ganz genau um deine Anziehung auf mich. Ich wollte nicht riskieren, dass du meine Welt wiederholt durcheinander bringst. Und nun, im letzten Jahr im Juli, gab es für mich absolut keinen Grund, dich nicht wiederzusehen. Aber eine große Portion Neugierde. Viel zu viele Jahre waren vergangen. Es war auch sofort richtig schön und vertraut, wieder neben dir zu sitzen, eine Shisha zu rauchen, dir zu lauschen und heimlich festzustellen, dass sieben Jahre spurlos an deinem schönen Gesicht vorbei gingen. Und, siehe da, es blieb nicht bei einem Treffen. Es folgten weitere. Und noch mehr. Und viele geschriebene Worte und Geständnisse dazwischen.

Du meintest einmal, dass ich anfangs meist etwas auftauen muss. Soll ich dir etwas verraten? - Ich wollte dir gefallen, was ziemlich anstrengend war.

Mit jedem Treffen verlor ich mich mehr und mehr in dir und deinen dunklen Augen, die mich manchmal so überlegen ansahen. Ich wurde immer übermütiger, so glücklich vergnügt, wenn ich mit dir unterwegs war, redete mehr Worte, als sonst in einer ganzen Woche und ja, du wurdest tatsächlich sehr schnell zu meiner Alltagsinsel. Dass ich jedes Mal am nächsten Tag nach unseren Treffen in ein Depriloch schlitterte, stellte ich nicht in Frage. - Ist doch normal, wenn man eine gute Zeit zusammen hatte. Und viel lachte. Hinzu kam, dass kein Tag mehr ohne Tagtraum über dich verging. Plötzlich warst du überall in meinem Kopf und provoziertest meine Gedanken dazu, sich die unmöglichsten Sachen mit dir vorzustellen. Auch das hinterfragte ich nicht, sondern nahm all die wilden Episoden einfach an :)

Es war so locker leicht mir dir, so flirty und spannend. So lustig, unbeschwert und entwaffnend. Ich hangelte mich von einem Treffen zum nächsten mit dir und was dazwischen passierte, erledigte ich halbherzig. Neben dir fühlte ich mich schnell richtig aufgehoben und sicher. Das war unser Spätsommer. Und ich war so beschwingt, ihn mit dir, dem schönen Mann von damals, verbringen zu dürfen. In diesen (aktuell schweren) Tagen hänge ich dieser Zeit umso mehr nach. Diese unbeschwerten Stunden mit dir, laufen ohne Ziel und doch irgendwo ankommen, wo uns unsere Versunkenheit beim Plaudern hinführte. Die Zeit mit dir und das, was sie mit mir machte, wollte ich immer wieder. Du aus irgendeinem Grund ebenso.

Doch dann kam unser erster Konzertabend... Am nächsten Tag meintest du zu mir am Telefon, dass du nie was mit mir anfangen würdest. Bäm! Schon klar, warum denn auch. Doch was danach mit mir passierte, war mir überhaupt nicht mehr klar. Ich war so durcheinander und verwirrt, dass ich tagelang wie eine leere Hülle durch den Tag wandelte. Und ich fing an, in mich hineinzuhorchen: Warum triffst du dich mit ihm? Was gibt er dir? Warum willst du ihn unbedingt mal zu Hause besuchen? Warum gehst du so drauf ab, einen Brief von ihm zu bekommen? Warum vergeht die Zeit mit ihm so rasend schnell? Warum macht er dich so glücklich? Warum ist er überall in deinen Gedanken? Warum freust du dich so irre, wenn er dir schreibt? - Weißt du, ich fand auf all diese Fragen schnell eine eindeutige Antwort  - ich hatte sie lediglich vor mir verdrängt. Und doch hatte ich sie längst kommen sehen. Vielleicht hast du es auch geahnt. Aber auch dir schien das so abwegig wie mir: Claudie hat sich verliebt. Hat sie? 
never ever.

Da stand ich nun mit meiner Antwort, und schämte mich so. Du wecktest so viel Abenteuerlust in mir, aber ich wusste gar nicht, wohin damit. Du wecktest so viel Lust in mir,  aber das durfte doch gar nicht sein. Du wecktest so viele Ideen in mir, aber sie erreichten dich nicht. Du hast mir so oft ablehnende Zeichen gegeben, aber ich wollte sie nicht sehen oder habe sie für mich umgedeutet. 
Oh wow, Claudie.

Wenn ich in deine Augen sah, sah ich ein ganzes Meer an Möglichkeiten zwischen uns. - Du in meinen nur ein unruhig plätscherndes Bächlein. Ich interpretierte so einige deiner Worte und Handlungen fehl und hätte bei dem kleinsten Zeichen sofort meinen Koffer gepackt (sinnbildlich), um mehr bei dir zu sein. Meine Verrücktheit kollidierte so oft mit deiner Abgeklärtheit. Das war bei uns eben so. So schön spannend. Ich hätte gern in deinem schönen Kopf getanzt und deine Gedanken verdreht, wie du meine. Das anzuerkennen, es bei dir nicht ebenso auszulösen, war ein ziemlich schwieriger Prozess für mich und hatte zur Folge, dass ich mich eventuell ab und an vor dir lächerlich machte. Etwas einsehen, was man so nicht möchte, ist schwer.

Ich überlegte also, den Kontakt zu dir abzubrechen. Aus Angst, man könnte mir etwas anmerken, aber auch aus Selbstschutz. - Doch, dich nicht mehr zu sehen erschien mir viel qualvoller, als eine etwaige unerfüllte Liebe. Du bist mir wichtig. Also blieb mir nur, mich entzuverlieben, um dich zu behalten. Es war ein wahnsinniger Kraftakt, da hinzukommen, wo ich jetzt mit dir sein kann und mir ging es oft sehr schlecht. Auch, dass du davon nichts merken solltest, war so sehr anstrengend und ermüdent. Dein "Ich habe geträumt, wir hatten Sex", hätte mich noch vor einiger Zeit sehr zurückgeworfen.

Und, ich wollte dass du mich nicht als kleines Mädchen siehst, sondern als eine Frau, die du um viele Nächte gebracht hast :)

Das ist nun aber (gefühlt) lange her. Ich bin über'n Berg und ich frage mich unterdessen, was denn da mit mir los war. Ich bin der Meinung, dass ich viel entspannter mit dir umgehen kann, wenn ich eben so eigenwillig sein kann, wie ich bin, ohne, dass ich dir gefallen möchte.

Ich mag unser Team Fuchs und Elster sehr. Mit Chips und Schokolade. Mit (Nudel)Pizza und Wein. Mit Briefe schreiben und imessage. Mit Alltagsinsel und Kneipentourismus. Rasiert oder unrasiert.

In diesen Zeiten, die viel verändern, möchte ich uns unverändert lassen.

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