Ich habe es nun entgültig aufgegeben, die Menschen zu verstehen. Wenn ich mich nicht einmal selbst verstehe, wie könnte ich es denn auch von anderen erwarten?
Vor 365 Tagen noch geglaubt, man könnte zusammen die Welt verändern, ist heute nicht mal mehr ein gegenseitiger Blick übrig. Wahnsinn, wie die Gefühle den Menschen beherrschen, ihn einnehmen, sein Denken steuern und lenken; ihm einreden was Gut und Böse ist. Ich habe mich immer dagegen gewehrt. Wenn es mir viel wert war, bin ich in den Kampf gezogen, wurde zur Löwin, um zu holen, was zu mir gehört. Ins Schicksal eingreifen war meine Spezialität. Nach vielen gewonnenen Schlachten wurde mir oft klar, dass es mir nicht um den Sieg ging, sondern um das Kämpfen ohne Waffen:
...Weil die Menschen sich nicht mehr trauen.
Sie reisen um die Welt, sie trampen, sie trauen sich ohne Geld einzukaufen, Karriere zu machen, zu demonstrieren, anderen Menschen weh zu tun, besoffen auf einem Hochhaus zu stehen, auf Berge zu klettern, sich Drogen durch die Nase zu ziehen, aus einem Flugzeug zu springen. Aber sie trauen sich einfach nicht zu lieben. Sie haben Angst. Angst, zu zweit zu sein. Ein trauriges Phänomen.
Wahnsinn. Das kann man kaum glauben, aber du hast so recht. Wunderschön geschrieben.
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