Sonntag, 16. Februar 2020

Wieder sitzen wir uns hier gegenüber. Ich mag es nicht, wenn du so weit weg von mir bist. Du magst es, wenn ein gewisser Abstand zwischen uns bleibt. Die wöchentliche Playlist dudelt und ich befinde, dass der Wein heute besonders gut schmeckt. Du nickst zustimmend und mir entgeht nicht, dass du den Fleck auf meiner Unterlippe für einen Augenblick fixierst. Doch du hast zuviel Anstand, als dass du dich erkundigen würdest, woher er stammt. Vielleicht ahnst du bereits, dass ich beim Grübeln über dich auf meiner Unterlippe kaue und im Laufe der Zeit dieser dunkle Fleck sichtbar macht, was ich viel lieber unsichtbar wissen würde. Wir sind das Ergebnis unserer Sehnsüchte und ich frage mich, warum wir uns so schwer damit tun, uns dem hinzugeben. Ich würde dir augenblicklich erlauben, meine Lippen blutig zu küssen - bis es weh tut und noch weiter; bis der Grübelfleck verschwindet.
Und damit auch unsere Ängste.

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