Den ganzen Tag lang bereitet man sich auf den abend vor. Überlegt, welches Kleid wohl angemessen ist, um eine Absage einzusammeln. Welcher Lippenstift geeignet wäre, um nichts falsches zu signalisieren. Kurz, bevor man sich auf den Weg macht, werden noch schnell zwei Gläser Wein getrunken, um sich die Worte erträglicher zu machen. Ein Blick in den Spiegel: Du siehst müde aus. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen, du hast viel geweint, viel nachgedacht. Heute gibt es Erlösung.
Die kurze Fahrt in der Bahn fühlt sich unglaublich lang an. Alle Mitreisenden wissen, dass man zu ihm fährt. Sie starren und schmunzeln. Vor seiner Haustür überkommt einen dann ein Schwindelgefühl. Heute wird es also beendet. Endlich! Noch nicht! Er öffnet dir Tür und sieht wieder unglaublich schön aus. Vollkommen. Hier, in seiner Wohnung, wohnt auch die Geborgenheit, die man so schätzt. Man wird sie vermissen. Auf dem Boden sitzend erklärt man ihm, wie schlecht es in der letzten Zeit um einen bestellt war und dass man ein Recht auf Antworten hat. Man redet sich in Rage und die letzten Tage steigen wieder auf. Es war hart. Die Zeit hat ihre Spuren auf der Seele hinerlassen. Man ist bereit für die erlösenden und doch niederschmetternden Worte. Doch was macht er: Er nimmt deine Hand und schaut dich an. Dieser Blick, der wieder alles aufleben lässt. Du bist vorsichtig. Dann küsst er dich und es ist dieser Kuss, der dich alles vergessen lässt - die Tränen, die schlaflosen Nächte, die wirren Gedanken.
Es sind Worte, die für immer im Kopf bleiben.
"Schön, dass hier bist"
"Ich mag dich"
"Ich hoffe, wir sehen uns wieder"
Und dann, eine SMS mitten in der Nacht, die alles real macht. Glücklich schläft man ein.

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